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Antonio Banderas ist Europas heißester Export nach Hollywood.  Als Kinolegende Zorro feiert er nun nach zweijähriger Pause ein sensationelles Comeback als romantischer Actionheld. you+me: Im Gegensatz zu so vielen HighTech-Filmen in letzter Zeit wirkt Ihr Zorro noch richtig handgemacht; wie ein klassischer Abenteuerfilm. Mögen Sie diese alten Filme und Helden?
Antonio Banderas: Natürlich, wie könnte man die nicht mögen. Unser Film zielt ja auch ganz eindeutig auf die alten Filme ab. Er sollte eine Alternative zu dem ganzen computeranimierten Kram werden und ist schon in diesem Sinne geschrieben worden. Witzigerweise sieht deswegen unser Film so neuartig aus, weil wir Tricks und Fechtszenen zeigen, wie man sie früher inszeniert hat. Sowas sieht man nicht mehr oft im Kino. Deswegen wirkt es neu.
you+me: War es schwer die Fechtszenen zu drehen oder haben Sie sich zurückgelehnt und alles den Stuntman machen lassen?
Antonio Banderas: Das Fechten habe ich schon selbst übernommen. Aber ich mußte es vorher lernen, weswegen ich höflich beim spanischen Olympia-Fechtteam angefragt habe, ob sie mir ein paar Stellungen beibringen könnten. Die waren völlig begeistert von der Idee, weil ihnen die lausigen, unrealistischen Fechtereien in anderen Filmen schon lange auf die Nerven gingen. Tatsächlich hat Zorro sehr viel mit der Philosophie des Fechtens gemein, denn es geht vorwiegend um Kontrolle, nicht um Stärke.
Man muß sich selbst in der Hand zu haben, den Gegner gut einschätzen zu können, und genau das ist die Essenz von Zorro. Ich habe also dabei auch noch viel über den Charakter gelernt. Insofern ließ ich mir natürlich die Fechtszenen nicht aus der Hand nehmen. Also das bin immer ich.
you+me: Auch beim Reiten?
Antonio Banderas: Meistens, ich habe versucht soviel wie möglich selbst zu machen. Immer dann, wenn die Leute von der Versicherung nicht hingesehen haben. Aber ich habe nichts davon, wenn ich vom Dach auf ein Pferd springe und mir dabei ein Bein breche. Dann liegen die Dreharbeiten brach und das kostet Millionen von Dollar.
you+me: Sehen Sie sich selbst eigentlich als Sexsymbol?
Antonio Banderas: Nein, wie denn auch? Mal ehrlich, was an mir ist sexy? Wenn ich auf die Straße gehe, sehe ich tausende Männer, die größer und schöner sind als ich. Ich bin ja noch nicht einmal einer, der viel um sein Aussehen gibt. Ich schwinge keine Hanteln, ich jogge nicht, und das sieht man auch. Gut, wenn man mich Sexsymbol nennt, bin ich nicht beleidigt. Sexy ist doch nur eine Frage der Zeit. Irgendwann werde ich ein alter Knacker sein, der seine Haare und Zähne verliert. Und dann? Naja, dann werden sie sagen: Schade, der war doch mal Sexsymbol. Schön, häßlich, das ist doch alles Quatsch.
Gerade Schauspieler, die nicht in das gängige Schönheitsbild passen, können so großartig im Film sein. Überhaupt, wenn man schön ist, ist es umso schwerer alt zu werden. Und das ist wirklich grauenhaft.
you+me: Insofern ist Anthony Hopkins in Zorro" verdammt sexy.
Antonio Banderas: Und wie! Anthony und ich haben die Schauspielerei in diesen Film eingebracht. Aber er brachte noch den Sex mit.
you+me: Was waren eigentlich Ihre Gründe, Spanien zu verlassen und eine Karriere in Hollywood anzusteben?
Antonio Banderas: Da gab es überhaupt keine Gründe, schon eher einen seltsamen Zufall. Ich hatte gerade einen Film in Venezuela zu Ende gedreht, komme wieder nach Hause, und da sagt mir mein Agent, ich soll nach London fahren und mich mit einem amerikanischen Regisseur treffen, der eine Rolle für mich hat. Zu der Zeit sprach ich überhaupt kein Englisch, habe also überhaupt nichts verstanden von dem, was der Regisseur erzählt hat. Habe aber immer schön okay. gesagt. Ich bin wieder nach Hause gefahren, in dem Glauben, daß es das wohl war mit meiner amerikanischen Karriere. Aber tatsächlich rief der Regisseur ein paar Wochen später wieder an und gab mir die Rolle in Mambo Kings". you+me: Das war aber kein Stummfilm. Antonio Banderas: Ich habe meinen englischen Text phonetisch gelernt und die Rolle gespielt ohne zu verstehen, was ich sage. Danach bin ich wieder nach Europa zurückgekehrt, habe einen Film in Italien gemacht und dann kam das Angebot von Jonathan Demme für Philadelphia". Ich bin sehr lange Zeit zwischen Amerika und Europa hin- und hergependelt. Aber die Amerikaner haben mir immer größere Rollen angeboten. Irgendwann habe ich beschlossen, gleich dazubleiben. Ich habe die Sprache gelernt und mir genau angeschaut, wie das amerikanische Filmgeschäft läuft, denn das sollte man schon wissen, wenn man da arbeitet. Das ist die Geschichte meiner amerikanischen Karriere. you+me: Englisch lernen ist eine Sache, aber dann ist da immer noch der Akzent. Bringt das keine Probleme?
Antonio Banderas: Jetzt nicht mehr. Hollywood scheint meinen Akzent zu akzeptieren und, was viel wichtiger ist, das Publikum versteht mich in den Filmen, sonst würden sie nicht reingehen. Bei Philadelphia" hat mich mein Akzent noch wahnsinnig gemacht. Ich wollte alles tun, um ihn loszuwerden.
Aber Tom Hanks hat mich beruhigt und gesagt: Warum machst du dir einen Kopf, dein Akzent ist so wunderschön exotisch. Die Frauen fahren völlig darauf ab, warum willst du dagegen etwas tun? Im Laufe der Zeit hat sich dann aber doch zumindest meine Sprache verbessert. Auch weil ich mit einer Amerikanerin verheiratet bin.
you+me: Sie heirateten Melanie Griffith. Schauspielerehen sind ein beliebtes Ziel für Paparazzi. Wie gehen Sie damit um?
Antonio Banderas: Indem ich die Nerven und meinen Humor behalte. Vor drei, vier Jahren war die Situation fast unerträglich. Da gab es Typen, die sogar unseren Müll über Monate hinweg klauten. Andere zapften mein Handy an und wußten immer, wohin wir in Urlaub fahren würden. Deswegen machte ich mit meiner Familie einen Code aus. Wenn ich sagte, wir fahren nach Ronda, dann fuhren wir in Wirklichkeit nach Malaga. Es gab Verfolgungjagden mit dem Auto, die wirklich gefährlich wurden, gerade wenn die Kinder dabei waren. Ich verstehe ja, daß man einen Preis zahlt für seine Prominenz. Aber es muß doch auch ein Maß geben.
Als Melanie in den Wehen lag, mußten wir über eine Mauer in den Garten des Nachbarn steigen, damit wir von dort aus ungeschoren ins Krankenhaus kommen konnten. Was macht man dagegen? Wahnsinnig werden? Einem Fotografen in die Fresse hauen, damit der anderen das Bild für 100.000 Dollar verkauft? Aber die Situation hat sich gebessert. Die Paparazzi haben gemerkt, daß es bei uns nichts zu holen gibt. Wir führen ein stinknormales Familienleben und gehen nur zu offiziellen Anlässen aus. Wir sind arbeitende Schauspieler und privat richtig langweilig.
you+me: Sie machen ja auch als Sänger von sich reden. Zuletzt haben Sie eine Single mit Tina Turner aufgenommen?
Antonio Banderas: Da singe ich ja nicht, da rede ich nur. Da sage ich sowas wie: Hey Tina, come over here. Und: Love me, love me, baby.
you+me: Wollen Sie das irgendwann ausbauen?
Antonio Banderas: Nein, nein, auf gar keinen Fall. Ich bin kein professioneller Sänger. In Evita" habe ich gesungen, weil es da im dramatischen Kontext stand. Seitdem bekomme ich zwar viele Angebote zu Plattenaufnahmen, aber ich denke, die Firmen sehen dahinter nur ein gutes Geschäft; nach dem Motto, singender Kinostar. Aber ich singe nicht, eben weil ich Musik so gerne mag. Ich spiele Gitarre und Piano und komponiere auch eigene Songs. Tatsächlich wird es auch eine Platte von mir geben, aber nur instrumental.
Antonio Banderas: Die Platte heißt "Look at the Ocean" und die Einnahmen gehen gänzlich an UNICEF. Sonst bleibt Musik aber für mich ein Hobby für den Rest meines Lebens. Ich werde absolut und überhaupt niemals professionell ins Musikgeschäft einsteigen.
you+me: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führten Uwe Mies und Edda Bauer





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