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you+me: Der neue "Star Wars"-Film ist sehr düster,
trotzdem erzählen Sie Teile der Geschichte mit Humor. Wir schaffen
Sie es, die Balance zu halten?
George Lucas: Ich mag Humor, der sich aus ganz normalen und menschlichen
Situationen ergibt. Humor ist ein Teil meiner eigenen Persönlichkeit,
trotzdem drehe ich keine Komödien. Keiner meiner Filme gehört
in dieses Genre. Ich versuche bei jedem Film, die Balance zu halten, und
oft habe ich komische Szenen wieder herausnehmen lassen, weil es dann
zu komisch gewesen wäre, und das hätte der eigentlichen Geschichte
nicht gut getan. Als ich mit Steven Spielberg die "Indiana Jones"-Filme
drehte, haben wir uns immer gut verstanden, außer wenn es darum
ging, wieviel Humor in den Filmen sein darf.
you+me: In "Die dunkle Bedrohung" übernimmt vor
allem Jar Jar Binks den Part des Clowns. Viele Fans können ihn deshalb
nicht leiden...
George Lucas: Ja, davon habe ich gehört. Dabei waren ursprünglich
viel mehr komische Situationen mit ihm im Film. Wir haben aber einiges
davon wieder herausgenommen. Ich muß dazu allerdings sagen, daß
es in jedem "Star Wars"-Film komische Augenblicke gibt. In "Die
dunkle Bedrohung" gibt es sicherlich mehr physische Komik als in
den anderen. Es gibt allerdings "Star Wars"-Fans, die mögen
den Humor in meinen Filmen sowieso nicht. Sie hassen alles, was für
jüngere Zuschauer gedacht ist und vergessen dabei ganz, daß
sie den ersten Film vielleicht gesehen hatten, als auch sie noch jung
waren. In jedem "Star Wars"-Film gab es übrigens Figuren,
die der eine oder andere nicht mochte. Im ersten Teil waren es die Roboter
C3-PO und R2-D2, in "Das Imperium schlägt zurück"
war es Yoda, den viele nicht verstanden haben und ihn deshalb für
blöd erklärten. In "Die Rückkehr der Jedi-Ritter"
waren es schließlich die Ewoks, die für viele zu niedlich und
knuddelig waren. Im neuen Film ist jetzt Jar Jar das Haßobjekt.
Diese Fans vergessen allerdings, daß "Star Wars" kein
Film wie "Terminator" ist, sondern auch für jüngere
Zuschauer gedacht ist, die mit komischen Figuren ihren Spaß haben
wollen. So funktionieren meine Filme nun mal.
you+me: Irdendwie hat sich die Welt von "Star Wars" aber
auch verselbständigt. Fans grübeln über Zusammenhänge
und deuten tiefe Botschaften in Ihre Geschichten. Für viele sind
Sie eine Art Messias. Wie gehen Sie damit um?
George Lucas: Egal, wie berühmt man ist, es gibt immer wieder
Fans, die zu weit gehen. Ich muß damit leben, daß viele mehr
in die "Star Wars"-Geschichten hineininterpretieren als wirklich
vorhanden ist. "Star Wars" ist eine pure Fantasy-Story, die
unterhalten soll und auf alten Motiven der Mythologie basiert. Für
junge Zuschauer haben solche Geschichten sicherlich mehr Bedeutung, weil
sie am Anfang ihres Lebens stehen und sich mit Themen gedanklich auseinandersetzen,
die auch in "Star Wars" angesprochen werden.
you+me: Es existiert aber das Gerücht, daß Sie nach
Ihrem schweren Auto-Unfall im Jahre 1962 bereits die Vision von "Star
Wars" hatten und religiös geworden sind...
George Lucas: Sie sind der zweite Europäer, der mich darauf
anspricht. Es stimmt, daß ich einen Unfall hatte, aber alles, was
er in mir auslöste, war, daß ich mein Leben mehr schätzen
lernte und mich das erste Mal damit auseinandersetzte, was ich wirklich
will. Daß ich den Unfall überlebte, brachte mich zu dem Entschluß,
jeden neuen Tag als Geschenk zu nehmen. Über "Star Wars"
dachte ich erstmals 1971 nach meinem Abschlußfilm THX - 1138"
nach. Ich überlegte, was ich als nächstes tun könnte. Zeitgleich
zu "Star Wars" hatte ich damals auch schon die Ideen für
Indiana Jones" im Kopf.
you+me: Warum haben Sie Hollywood den Rücken gekehrt?
George Lucas: Ich wollte schon immer unabhängig sein und die
Filme drehen, die ich wollte. Gottseidank! In San Francisco haben die
großen Studios keinen Einfluß. Meine ersten beiden Filme wurden
damals noch vom Studio umgeschnitten, darüber war ich sehr unglücklich.
Inzwischen konnte ich beide Filme wieder so umschneiden, wie ich es mir
von Anfang an dachte. Ich halte wirklich nichts davon, wenn ein Studio
Einfluß auf das Drehbuch und den Film nimmt. Der Regisseur sollte
immer das letzte Wort haben. Als unabhängiger Regisseur hat man nur
die Kontrolle über einen Film, wenn man ihn auch finanziert. Nur
Steven Spielberg genießt das Privileg, Geld von den Studios zu bekommen
und den Film trotzdem so zu drehen, wie er es sich denkt. Doch das hat
er sich erkämpfen müssen. Francis Ford Coppola verkauft Wein,
um seine Film zu finanzieren, ich verkaufe Spielzeuge. Nur wenn man die
finanzielle Kontrolle hat, muß man sich von Hollywood nicht diktieren
lassen.
you+me: Wie wird es mit "Star Wars" weitergehen?
George Lucas: Ich sitze gerade am Drehbuch für "Episode
2". Im Oktober oder November werde ich fertig sein, dann kümmern
wir uns um das Design und die Besetzung. Ich hoffe, daß wir im Frühling
2000 mit den Dreharbeiten beginnen können, die sich dann bis in den
Sommer hinziehen werden. Danach kommen achtzehn Monate für die Nachbearbeitung.
you+me: Wie kommen Sie eigentlich auf all diese Namen wie Jar Jar
Binks, Qui-Gon Jinns oder auch Obi-Wan Kenobi?
George Lucas: Es findet kein Brainstorming statt, sondern ich denke
mir die Namen allein aus. Das stimmt nicht ganz. manchmal hilft mir auch
meine elfjährige Tochter, für die es ein großer Spaß
ist, sich verrückte Namen auszudenken. Ich selbst lasse mich bei
den Namensfindungen gern durch Mythen beeinflußen. Zur gleichen
Zeit, wenn ich am Drehbuch arbeite, stehen auch Designer parat, die die
Umgebungen und Figuren, die ich mir ausdenke, sofort für mich zeichnen.
you+me: Würden Sie gern mal selbst in den Weltraum fliegen?
George Lucas: Heute nicht mehr. Als ich jünger war, hatte
ich diesen Wunsch. In den USA gab es Trainingsprogramme für jeden,
aber nach dem Challenger-Unglück wurde es wieder abgeschafft. Nein,
für mich wäre das nichts mehr. Nun träumt mein Sohn davon,
in den Weltraum zu reisen.
Markus Tschiedert
Zum Interview mit Jean-Claude Van Damme
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