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Jean-Claude van Damme

Interview mit Jean-Claude van Damme
zum Kinofilm "Der Legionär"

Noch vor fünfzehn Jahren fuhr er in Hollywood Pizza aus, jobbte als Chauffeur, Rausschmeißer und Teppichverleger und war nur von einem Wunsch besessen: Filmstar zu werden! Heute wird der aus Belgien stammende Jean-Claude van Damme mit Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone in einem Atemzug genannt.
Doch der Weg bis dahin war steinig, als der heute 38jährige 1982 nach Amerika auswanderte. Er mußte zuerst die englische Sprache lernen, bevor er mit Bloodsport" (1988) zeigen konnte, was er kampftechnisch alles kann. Es folgten Filme wie Cyborg" und Double Impact", doch erst unter der Regie des Deutschen Roland Emmerich schaffte van Damme seinen internationalen Durchbruch als Universal Soldier". 1996 ging er mit The Quest" auch erstmals unter die Regisseure.
Nun meldet sich das belgische Muskelpaket zurück. In Der Legionär" verschlägt es ihn nach Marokko in den Zwanzigern, wo er gegen finstere Berber kämpft.
Markus Tschiedert traf Jean-Claude van Damme zum Interview in Berlin.

you+me: Mit Ihren letzten Filmen Maximum Risk" und Double Team" hatten Sie kein Glück. Haben Sie sich deshalb in letzter Zeit ein wenig zurückgezogen?
Jean-Claude van Damme: Ich wollte mich nur mal ausruhen und mehr Kontrolle ünber meine Emotionen bekommen. Jetzt fühle ich mich besser, obwohl ich sagen würde, daß ich in meinen Filmen immer gut war. Es dauert viele Jahre, bis man herausfindet, wer man wirklich ist.
you+me: Und heute wissen Sie, wer Sie sind?
van Damme: Nein, ich habe noch eine Menge zu lernen. Es gibt keinen Menschen, der wirklich weiß, wer er ist. Dann wäre er perfekt, und das wäre auch nicht gut.
you+me: Na gut, dann frage ich, wer oder wie Sie gern sein möchten
van Damme: Ich würde mich gern neu erschaffen. Es ist sehr gefährlich, darüber zu reden. Dazu müßte man eine gemeinsame Sprache finden, denn viele verstehen mich in diesem Punkt falsch. Um es kurz zu sagen: Ich arbeite daran, ein besserer Mensch zu werden, und dazu muß man analysieren, was man im Leben richtig und falsch gemacht hat. Aber darüber müßten wir lange diskutieren, und das paßt eigentlich nicht zu einem Actionstar, der seinen neuen Film vorstellen möchte.
you+me: Warum sind Sie jetzt unter die Fremdenlegionäre gegangen?
van Damme: Warum nicht? Mir gefiel es, in einem großen Abenteuerfilm mitspielen zu können. Ich habe schon als Kind solche Filme wie Ben Hur" und Lawrence von Arabien" gemocht. Unseren Film kann man sicherlich nicht mit diesen Klassikern vergleichen, aber wir haben versucht, den alten Flair zu rekonstruieren. Eine Mischung aus Romantik und Männerfreundschaften.
you+me: Waren Sie beim Militär?
van Damme: Nein, ich war registriert, aber ich mußte nicht zum Militärdienst. Ich glaubte, die Wahrheit erkannt zu haben. Wenn man in Belgien zur Armee geht, darf man den ganzen Tag schlafen und wird fett. Ich habe es bevorzugt, lieber ins Fitness-Studio zu gehen. Wenn man sich für Politik interessiert, hat man keine Lust, in die Armee zu gehen und für irgendwelche Gründe zu kämpfen. Meistens geht es doch sowieso nur ums Geld. Ich wollte davon kein Teil sein. Ich würde für Ehre und Freundschaft in eine Armee eintreten, um etwas Schönes zu verteidigen. Doch das konnte mir die belgische Armee nicht geben.
you+me: Sie glauben also, daß es wichtig ist, Soldaten zu haben?
van Damme: Absolut, das sieht man doch in Jugoslawien. Wenn wir keine Soldaten hätten, wer sollte uns vor Diktatoren und Mörder schützen? Es ist immer die Frage, wer einen Krieg beginnt. Sicherlich nicht die Soldaten. Leider bin ich kein Politiker, weil ich dazu nicht klug genug bin. Aber ich habe verstanden, daß es immer um Geld geht.
you+me: Kommen wir zu Ihrem Privatleben. Sie haben erst kürzlich zum fünften Mal geheiratet?
van Damme: Ja, ich habe meine dritte Ehefrau Glady ein zweites Mal geheiratet. Sie ist eine nette Frau und hat mich mit allen Höhen und Tiefen erlebt. Sie war für mich da, als sich alle anderen von mir lossagten. Ich habe sie immer geliebt, sonst hätte ich sie sicherlich nicht zum zweiten Mal geheiratet. Mental und physisch geht es mir jetzt wieder gut. Aber um die Wahrheit zusagen, bedeutet mir Heiraten nicht so viel. Es bedeutet mehr für andere Leute. Für mich ist eine Heirat mehr als ein Ehevertrag. Es geht darum, dem Partner etwas zu geben, ohne dafür eine Gegenleistung zu verlangen. Das ist heutzutage sehr schwierig. Aber Glady kann das. Sie ist ein besserer Mensch als ich.
you+me: Nun sind Sie auch mit Ihren beiden gemeinsamen Kindern Bianca und Kristopher vereint. Dürfen die beiden Ihre Filme sehen?Jean-Claude van Damme

van Damme: Mein Sohn ist ein kleines, schmächtiges Kerlchen und interessiert sich überhaupt nicht für sportliche Aktivitäten. Er spielt lieber mit Science-Fiction-Spielzeug. Er ist ein Träumer und ich lasse ihn träumen. Wenn man an seine Träume glaubt, werden sie eines Tages auch wahr.
you+me: Waren Sie als Kind auch ein Träumer?
van Damme: Ich bin auch heute noch ein Träumer.
you+me: Was ist Ihr größter Traum?
van Damme: Ein besserer Mensch zu werden. Es gibt so viele Dinge, die jeder von uns in seinem Leben erledigen muß.
you+me: Das haben Sie vorhin schon erzählt und es klingt so, als hätten Sie erst vor kurzem schmerzliche Erfahrungen machen müssen?
van Damme: Ja, aber heute weiß ich, was oben und unten heißt. Man muß seine Erfahrungen sammlen. In der schlimmsten Phase deines Lebens kannst du trotzdem einen Augenblick von Freude und Frieden finden. Hat man das erreicht, ist man ein Meister des Lebens. Wenn man ganz oben ist, ist es schwierig, die Wahrheit zu fühlen. Wenn man ganz oben ist, hat man alles: Ein Privatjet, Mädchen, Festivals. Man ist die Nummer Eins und führt ein schönes Leben. Es ist großartig, aber man ist dann nicht mehr bei sich selbst. Man steht sozusagen neben sich. Erst wenn man wieder ganz unten ist, merkt man, daß man allein ist. Viele Menschen mögen sich nicht mit jemanden auseinandersetzen, der Probleme hat. Sie wollen nur den Zucker im Leben. Das war eine harte Erkenntnis zu für mich.
you+me: Es kursierten auch viele Geschichten um Ihre Person, etwa daß Sie mehrere Drogen-Entziehungskuren hinter sich bringen mußten. Haben Sie es jemals bereut, ein Star geworden zu sein?
van Damme: Nein, dann würde ich mich doch haßen. Ich habe in meinem Leben nichts bereut. Ich habe viel gesehen und erlebt und kenne heute den Unterschied zwischen Gut und Böse. Ich habe in den letzten Jahren viel darüber gelesen und weiß, daß die meisten Menschen vor der Wahrheit wegrennen. Ich war auch jahrelang auf der Flucht. Der schlechte Stoff in meinem Körper und so. Ich habe es übertrieben. Es ist sehtr schmerzlich, sich der Wahrheit zu stellen. Aber es muß sein.
you+me: Wie sehen Sie Ihre Zukunft?
van Damme: Ich werde weiterhin Filme drehen. Demnächst stehe ich für Universal Soldier 2" vor der Kamera. Danach will ich einen Film drehen, in dem ich einen Alkoholiker spiele, der sehr gewalttätig wird, wenn er nicht trinkt. Also muß er stets seinen Alkohol haben, um friedvoll zu bleiben, aber dann will er sich das Leben nehmen. Zuvor besucht er aber seinen indianischen Freund in den Bergen und sieht das Leben plötzlich mit anderen Augen.
you+me: Haben Sie manchmal Angst vor der Zukunft?
van Damme: Immer weniger. Aber ich sehe, wohin wir gehen. Es wird wahrscheinlich alles noch schlimmer werden.
you+me: Wie erklären Sie das Ihren Kindern?
van Damme: Man muß ihnen das nicht erklären, sie müssen es so akzeptieren wie es ist. Sie müssen verstehen, daß sie in dieser Zeit geboren wurden, und es nicht ihre Schuld ist. Wenn man etwas für die Zukunft ändern will, muß man erst zu sich selbst finden.
you+me: Essen Sie noch belgisches Fleisch?
van Damme: Das ist eine traurige Angelegenheit. Ich habe mit meinen Vater gesprochen, und wir waren uns einig, daß das kein Problem ist, daß es nur in Belgien gibt. Man weiß heutzutage nicht mehr, was den Tieren ins Essen getan wird, damit sie größer und fetter werden.
Ich finde, wir sollten uns nur noch von Wasser und Früchten ernähren. Es ist schwierig, sich gesund zu ernähren. Unsere Großeltern waren weniger krank als wir, weil sie sich besser ernährten.
Markus Tschiedert

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